Vorwort zu unserer CD "native land"

von Johannes Schiefner (Uilleann Piper)

 

Spielen ist Experimentieren mit dem Zufall“, sagte Novalis. Obwohl da gar nicht von Musik die Rede war, erinnert mich dieser Satz tatsächlich an das frohsinnige, spontane Musizieren von Colludie Stone. Verzaubert vom Charme der irisch-schottischen Musiktradition entdeckten Christina, Marc, Willfried, Clemens und Roland, die Mehrzahl Quereinsteiger ins Genre, aus vielerlei anderen Musikrichtungen kommend, ihr Faible für den mitreißenden Rhythmus der irischen traditionellen Musik und vertieften sich in instrumentale Stilistik, Historie und ins phantasievolle Zusammenfügen von Tänzen und Songs mit modernen Elementen. Ich mag dieses Nebeneinander von alt und neu – sehe die ehrwürdigen alten Herren der irischen Musik, Junior Crehan, Sean Ryan und viele mehr - in diesem niemals respektlosen, aber frischen, verspielten und variationsreichen Kontext. Flute und Fiddle umkreisen einander wohlklingend und tänzerisch, immer zu neuen überraschenden Wendungen aufgelegt. Der Gesang, solistisch und chorisch, führt tief drinnen zu intensiver, wunderbarer Resonanz. Von "Paddy's Lamentation", einem sehr druckvollen Geniestreich, bis hin zum melancholischen "Dark Island" spannt sich ein großer Bogen der Emotionen. Dazu noch geniale, selbstkomponierte Tunes wie "Crushed Cat" oder die ergreifende Adaptation eines galizischen Traditionals und eine packende, vielseitige Rhythmus-Sektion.

 

Ich denke mit Dankbarkeit zurück an meine Zeit als Gastmusiker bei den Colludies und wünsche der CD viele tausend Umdrehungen auf den Plattentellern fröhlich blickender Menschen!

 

Johannes Schiefner

 

 

Rezension von FOLK NEWS

 

Veröffentlicht am 30. Dezember 2015 von Folkaholix

 

Colludie Stone – native land (2015)

Blumig heißt es auf der ersten Seite des Booklets: „‚Spielen ist Experimentieren mit dem Zufall‘, sagte Novalis. Obwohl da gar nicht von Musik die Rede war, erinnert mich dieser Satz tatsächlich an das frohsinnige, spontane Musizieren von Colludie Stone.“ Gleichermaßen erbaulich eröffnet  Mná na hÉireann den Zwölftitler „native land“, das allenthalben unter dem Namen Woman of Ireland“ bekannt ist. Stark behallt whistlet sich die stehende Luftsäule leidenschaftlich wie sehnsuchtsvoll in das musische Gemüt, ehe mit Madam I’m a Darling der druckvolle Kragen platzt.

Mit Gitarren, Mandola, Fiddle, Flöten, Bass, Akkordeon, Klavier und diverser Perkussion zeugt das Quintett mitnichten von einem instrumentellen Sparkurs. In Zeiten von The Outside Track und The Rapparees erklingt mit Colludie Stone endlich ein starkes Adäquat aus den hiesigen Gestaden. Zwischen liedhafter Eingängigkeit, grazilen Arrangements und gleichermaßen virtuoser wie unerschöpflicher Spielfreude beweisen die vier Herren sowie die diese Riege ergänzende Dame, dass diffiziler und eingängiger Folk keine Domäne von stark belabelten Importprodukten ist.

Indes bei The Dark Island bordunhaft das Akkordeon von den stahlsaiten der Gitarre umwirkt wird, erhebt sich die Stimme Christina Geruschkats über das klangliche Stelldichein, das kehrreimend vom vielstimmigen Männergesang getragen wird. So wechseln sich instrumentale Tunes und Gesangsstücke ab und jagen ihre Hörer durch ein Wechselmeer der Gefühle zwischen sehnsüchtelnder Melancholie und exzessiver Tanzbarkeit. Mit Le Vent Nour Portera reißen Colludie Stone aus ihrem eigenen  Handwerk aus und drücken dem Klassiker von Noir Desir ihre ureigene Marke auf.

 

Es werden Bands wie Colludie Stone sein, die im bundesrepublikanischen Raum die Dominanz von Magnetic Music & Co. brechen können, die durch Spielfreude und tiefgreifendem Gefühl überzeugen und zudem eine stilistische Bandbreite an den Tag legen, dass man sich gar nicht satthören kann. Folkloristen aufgepasst, hier tut sich etwas, das noch viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wird.